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Aktionismus

Juli 2019

Mietenstopp verschärft Wohnungsproblem und regionale Fehlentwicklung

Wohnungen sind zu gefragten Investments in offenen und geschlossenen Fonds für private und institutionelle Kapitalanleger geworden. Im vergangenen Blog-Beitrag haben wir beispielsweise über einen neuen offenen Wohnungsfonds der Deka in Kooperation mit Corpus Sireo berichtet. Da kommt die Entscheidung des Berliner Senats zum Mietenstopp natürlich zur Unzeit, denn er schafft vor allem eines: Verunsicherung.

Ein entsprechendes Gesetz soll im kommenden Jahr in Kraft treten und rückwirkend ab dem Senatsbeschluss Mitte Juni 2019 gelten. Die ersten Reaktionen waren nicht so wie gewünscht, konnten aber nicht überraschen. Der Eigentümerverband Haus & Grund Berlin hatte seine Mitglieder aufgerufen, die Mieten kurz vor Toresschluss noch einmal kräftig heraufzusetzen, und tatsächlich registrierte der Berliner Mieterverein in den Tagen vor der Senats-Sitzung eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Mieterhöhungen.

Mietenstopp bremst Investitionen aus

Experten und Medien sind sich einig wie selten. Panische Verzweiflungstat, Dilettantismus, grenzenlose Überforderung, politisches Versagen – selbst die eher liberale Süddeutsche Zeitung findet klare Worte. Denn dass der Deckel auf den Wohnungsmieten seine gewünschte Wirkung erzielt, ist mehr als fraglich. Die SPD erhofft sich auf ihrem Online-Auftritt „Bauen, bauen, bauen – und zwar bezahlbare Wohnungen“, doch wer soll das übernehmen, wenn die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften ihre Mieten fünf Jahre lang nicht erhöhen dürfen? Welcher private Investor geht das Risiko ein, dass ihm die Politik einen Strich durch die Rentabilität macht? Solch ein Aktivismus bremst den Wohnungsbau – und potenziert die Wohnungsnot. Also bitte nicht in anderen Kommunen kopieren.

Der Mietenstopp ist nicht gerade ein Verkaufsturbo für die Anbieter von Wohnungsfonds mit ihren ohnehin relativ niedrigen Renditen. Anleger müssen sich genau überlegen, ob es realistisch erscheint, mit Wohnungen Geld zu verdienen, wenn der Staat die Mieten deckelt. Spiegel Online sieht darin nicht nur einen wirtschaftspolitischen Tabubruch, sondern fürchtet einen Irrweg in der regionalen Entwicklung Deutschlands. Die eingefrorenen Mieten würden dazu führen, dass die ländlichen Regionen weiter ausdünnen und die Metropolen uferlos wachsen.

Regionen in Ostdeutschland zählen zu den Verlierern

Ein Trend, der sich bereits jetzt abzeichnet. Das Statistische Bundesamt meldete vor wenigen Tagen mit 83 Millionen Menschen so viele Einwohner in Deutschland wie niemals zuvor. Wobei die Entwicklung regional sehr differenziert verlief. Lagen Berlin und Hamburg mit einem Plus von 0,9 Prozent bzw. 0,6 Prozent vorne, verloren vor allem die östlichen Bundesländer. Hier leben aktuell so wenig Menschen wie im Jahr 1905.

Zeichner von Wohnungsfonds sollten sich die Konzepte der Anbieter daher intensiv anschauen. Das gilt auch für die derzeit so beliebten Mikro-Apartments. Damit die Kalkulation dauerhaft aufgeht, sollte eine anderweitige Nutzung ohne großen Aufwand möglich sein. Stimmen Standort und Lage, dürfte das gelingen – solange die Politik den Tabubruch nicht auf andere Metropolen ausweitet.

Herzlich, Ihr Markus Gotzi

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