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Ernüchterung

Februar 2019

Scope kommt für 2018 auf 1,1 Milliarden Euro geplantes Eigenkapitalvolumen

Die Zahlen sind ernüchternd. Das Ratinghaus Scope hat gezählt, wie viele geschlossene Publikums-AIF die BaFin im vergangenen Jahr gestattet hat und wie viel Geld die Anbieter damit einsammeln wollen.  Unter dem Strich stehen 32 AIF mit einem prospektierten Eigenkapitalvolumen von 1,1 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von rund 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017 – aber immer noch ein Witz, wenn wir uns die Umsätze früherer Jahre mit bis zu 13 Milliarden Euro akquiriertem Anlegerkapital anschauen.

Wealthcap kommt auf mehr als ein Drittel des Gesamtergebnisses

Außerdem schrumpft die Zahl der nennenswerten Anbieter weiter zusammen. So kommt die Wealthcap mit zwei Immobilienfonds alleine auf rund 38 Prozent des kompletten Zielkapitals. An den beiden AIF sollen sich Anleger mit jeweils rund 210 Millionen Euro beteiligen. Daneben gibt es noch einen geschlossenen Fond von Patrizia Grundinvest mit einem geplanten Eigenkapital-Volumen von 64 Millionen Euro. Alle anderen Angebote verpassen die 50-Millionen-Marke teilweise deutlich. Der Durchschnitt liegt bei 34 Millionen Euro.

Eine andere Erkenntnis: Immobilien dominieren den Markt. Insgesamt 22 Fonds kommen auf knapp 900 Millionen Euro Anlegerkapital. Auf Platz zwei folgt Private-Equity mit sieben Angeboten und in Summe 163 Millionen Euro. New Energy und Flugzeuge spielen kaum noch eine Rolle. Schiffe und Infrastruktur? Fehlanzeige. Die einzige Schiffsbeteiligung von Oltmann war kein AIF – und darüber hinaus auch nur rund fünf Millionen Euro schwer. Damit bewegt sich das Oltmann-Angebot im Bereich der typischen Modelle nach dem Vermögensanlagegesetz. Hier hat Scope 59 Produkte mit insgesamt knapp 780 Millionen Euro gezählt – nichts, was den Kohl fett macht.

Zweitmarkt ist auf Neugeschäft angewiesen

Das sind leider keine guten Nachrichten. Ohne ausreichendes Neugeschäft dürften in absehbarer Zeit auch die Umsätze auf dem Zweitmarkt sinken. Ich halte Immobilien und andere Sachwerte weiterhin für ein geeignetes Asset im Portfolio – auch bei privaten Anlegern mit durchschnittlichem Vermögen. Wer Chancen und Risiken der Angebote realistisch einschätzen kann, sollte sich bei Banken und Beratern über Alternativen zu den Minzinsen auf dem Kapitalmarkt informieren. An den Anbietern liegt es, saubere Produkte zu entwickeln und ihren Kunden schmackhaft zu machen.

Im kommenden Blog-Beitrag beschäftige ich mich mit den Ergebnissen, die mein Journalisten-Kollege Stefan Loipfinger in einer aufwendigen Studie zusammengetragen hat. Er hat alle seit Einführung des KAGB im Jahr 2013 aufgelegten Publikums-AIF untersucht. Ohne zu viel zu verraten: Seine Ergebnisse sind auch kein Grund zum Jubeln.

Herzlich, Ihr Markus Gotzi

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