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Erste Exporo-Projekte sind Pleite

Dezember 2019

Anleger müssen sich über „volatile Natur der Projektentwicklungen“ im Klaren sein

Exporo hat es geschafft. Der Name steht als Synonym für ein Produkt. Denk ich an Crowd-Investment, denke ich an Exporo. So wie Tempo für Papiertaschentücher steht und Tesa für Klebeband. Das ist eine große Leistung. Zum einen bezahlt mit dem enormen Marketingbudget, das TV-Werbespots vor der Nachrichtensendung erlaubt. Zum anderen aber auch mit gewaltigem Wachstum. Die Homepage listet 209 Objekte auf, 541 Millionen Euro vermitteltes Kapital und 197 Millionen zurückgeführtes Geld.

Bei Minizinsen auf dem Sparbuch ließen sich private Kapitalanleger vor allem von den Finanzierungsangeboten für Projektentwicklungen locken: Vier bis sechs Prozent Zinsen pro Jahr bei einer Laufzeit von zwölf bis 36 Monaten klingen tatsächlich wie eine attraktive Alternative.

Erste Projekte sind geplatzt

Nun ist passiert, was Exporo unbedingt vermeiden wollte: Die ersten Immobilienprojekte sind geplatzt. Der Partner DEMA Deutsche Mikroapartment AG hat für zwei Projektentwicklungen Insolvenz angemeldet. Betroffen sind die rund 1.700 Anleger der beiden Marburg-Portfolios. Sie haben sich daran mit rund 3,9 Millionen Euro daran beteiligt.

Ob sie ihr Geld pünktlich oder überhaupt wiedersehen, ist fraglich. Exporo selbst hat erhebliche Zweifel daran: „Aufgrund der jetzt gestellten Insolvenzanträge geht die Exporo AG davon aus, dass die Darlehen nicht fristgerecht zurückgeführt werden können“, schreibt das Unternehmen und antwortete auf eine Frage des Fondsbriefs: „Exporo stellt hohe Anforderungen an die Projektentwickler und an jedes einzelne Projekt. Die Mitarbeiter, die bei Exporo prüfen, haben langjährige Erfahrungen im Real Estate- und Bankenbereich, und das Prüfungsverfahren ist dem einer finanzierenden Bank sehr ähnlich. Die volatile Natur des Projektentwicklungsgeschäftes kann allerdings vereinzelt zur Folge haben, dass finanziell solide Projekte von guten Projektentwicklern durch äußere, unvorhersehbare Einflüsse in Schieflage geraten.“

Projektentwicklungen mit erheblichen unternehmerischen Risiken

Das sehe ich ähnlich. Projektentwicklungen sind ein unternehmerisches Geschäft mit Chancen und Risiken. Das haben die Anleger, die nun über den wahrscheinlichen Verlust ihres Kapitals weinen, entweder nicht gewusst oder verdrängt. Weitere Fehlentwicklungen – egal bei welchem Crowd-Investor – sollten daher nicht überraschen.

Und was bedeutet das für Exporo selbst? Bislang bin ich, wie viele andere Marktbeobachter auch, davon ausgegangen, dass Exporo einen Börsengang plant. Alleine, um den Geldgebern der verschiedenen Kapitalrunden einen Exit zu bieten. Offenbar habe ich falsch gelegen, denn Exporo stellt auf Nachfrage klar: „Es ist derzeit noch nicht sicher, ob und wann Exporo einen Börsengang plant.“

Herzlich, Ihr
Markus Gotzi

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