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Warnhinweise aus dem vergangenen Jahrtausend

August 2020

Geschlossene Fonds sind im Sommerloch immer noch voll der Horror

Ich bin wirklich der Letzte, der Fake news und Lügenpresse schreit. Aber so wie im Markt der Sachwertebeteiligungen und eigentlich immer und überall im Leben gibt es auch im Journalismus Licht und Schatten. Und offenbar führt der Begriff „geschlossene Fonds“ in vielen Redaktionen immer noch zu Pawlowschen Reflexen. Sabber, sabber. In den wirtschaftlich angespannten Zeiten trommeln derzeit wieder viele Medien gegen geschlossene Fonds. Im vergangenen Jahrtausend waren die Warnhinweise vielleicht gerechtfertigt – halten sich aber hartnäckig.

Zum Beispiel in einer Provinzzeitung aus dem Schwäbischen. Dort lese ich, dass sich geschlossene Fonds zunehmender Beliebtheit erfreut. Und warum die Verbraucherzentrale davor warnt. Die Verbraucherzentrale. Sollte ihre Informationen vielleicht auch mal aktualisieren. „Geschlossene Fonds erfreuen sich zunehmender Beliebtheit“, lese ich da. „Per Ende 2019 steckten die Deutschen den Rekordwert von 26,8 Milliarden Euro in diese Anlageart – und das mit stark steigender Tendenz.“ Stimmt soweit. Grundlage sind die Zahlen der Deutschen Bundesbank, und sie betreffen vor allem den Markt der Spezialfonds für institutionelle Großanleger. Versicherer, Pensionskassen, Profis eben.

Grusel auf der schwäbischen Alp

Aber das wäre ja keine Grusel-Geschichte für die Leser auf der Schwäbischen Alb. Denn jetzt geht es los. „Bürogebäude, Containerschiffe, Einkaufszentren – Vertriebspartner kann durchaus eine Filialbank sein, die dann versuchen wird, ihren Privatkunden Anteile an einem solchen geschlossenen Fonds schmackhaft zu machen.“ Die Neutralität der Filialbank könne in einem solchen Fall getrost angezweifelt werden, kassiert sie doch in der Regel ein „Agio“, also einen Aufschlag auf den Anlagebetrag von nicht selten fünf Prozent.

Anschließend schwadroniert der Autor von Anlageberatern, die „mit Steuervorteilen argumentieren“. Und dann die lange Laufzeit. Zwar gebe es zum vorzeitigen Verkauf an der Börse Hamburg einen Zweitmarkt für geschossene Fonds, doch dort wird nur „der aktuelle Wert der Beteiligung ersetzt“. Dabei produzieren die gerade in der Anfangsphase überwiegend Verluste. Wann hat der Autor die Geschichte recherchiert?

Wann gab es die letzten GbR-Fonds?

Auf der News-Plattform t-mobile lese ich Horror-Storys von geschlossenen Immobilienfonds als Kommanditgesellschaft, aber auch als offene Handelsgesellschaft oder Gesellschaft des bürgerlichen Rechts. In diesem Fall haften Anleger bei einer Pleite nicht nur mit ihrer Beteiligung – sondern auch mit ihrem Privatvermögen, warnt der Autor. GbR-Fonds? Wann hatten wir so was zuletzt für Privatanleger? Bestimmt seit 15 Jahren nicht mehr. Seit es keine Verlustzuweisungen mehr gibt. AIF! Alternative Investment Fonds. Schon mal gehört? BaFin-reguliert mit Verwahrstelle und Kapitalverwaltungsgesellschaft. Aber wo bleibt da der Skandal?

Warum schreibe ich nicht über Mode oder europäische Königshäuser? Oder über Helene Fischer? Genau, weil ich keine Ahnung davon habe. Obwohl, was da an Fake news verbreitet wird. Das könnte ich auch…

Hier sehen Sie den Einblick von Markus Gotzi als Video.

Herzlich, Ihr
Markus Gotzi

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