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Zweitmarkt: Die Definition für Anleger

Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds lässt sich definieren als Handelsplatz für Gesellschaftsanteile von noch laufenden geschlossenen Fonds. Der Zweitmarkt gleicht damit bis zu einem gewissen Grad einen der größten Nachteile geschlossener Fonds aus: die lange bis sehr lange Kapitalbindung.

Zweitmarkt bringt Angebot und Nachfrage zusammen

Geschlossene Fonds zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass ihre Anteilseigner für die gesamte Laufzeit des Fonds – und das sind oft zehn oder noch mehr Jahre – nicht über ihr Vermögen verfügen können. Die Fondsgesellschaft ist im Gegensatz zu offenen Fonds nicht verpflichtet, die Anteile vor Ablauf der festgelegten Laufzeit zurückzunehmen. Früher haben seriöse Emittenten zwar versucht, ihren Anlegern zu helfen und geeignete Käufer zu finden. Oftmals blieb dem Investor aber nur die Möglichkeit, selbst einen Abnehmer für seine Beteiligung zu suchen. Das war nicht nur schwierig, sondern in der Regel auch mit zum Teil deutlichen finanziellen Einbußen verbunden.

Mittlerweile gibt es einen Zweitmarkt für gebrauchte geschlossene Fondsanteile, auf dem Zweitmarktbörsen nicht nur Angebot und Nachfrage zusammenbringen, sondern auch für marktgerechte Kurse sorgen. Dadurch verlieren geschlossene alternative Investments in gewissem Maße das Manko der fehlenden Ausstiegsmöglichkeit. Für Anteilseigner bieten sie darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: Sie können sich auf den Internetplattformen der Zweitmarktbörsen täglich über den aktuellen Kurs ihrer Beteiligung informieren und nach Kaufgesuchen von Interessenten suchen. Zwar sind dort nicht alle geschlossenen Fonds gelistet, aber doch mehrere Tausend. Und auch für Kaufinteressenten sind Zweitmarktbörsen eine gute Anlaufstelle: Sie können dort aufgeführte gebrauchte geschlossene Beteiligungen oft zu günstigen Kursen kaufen und dabei gezielt auf solche geschlossenen Fonds zurückgreifen, die nachweislich gut funktionieren.

So funktioniert eine Zweitmarktbörse

Der Zweitmarkt von geschlossenen Fonds wird über Plattformen abgewickelt, die wie virtuelle Marktplätze funktionieren: mit Verkäufern auf der einen und Kaufwilligen auf der anderen Seite. Je nach Angebot und Nachfrage wird für den zum Verkauf stehenden geschlossenen Fonds ein Kurs abgebildet, der täglich schwankt und auch von Plattform zu Plattform unterschiedlich ausfallen kann. Ein Vergleich verschiedener Zweitmarktbörsen kann sich daher lohnen. Wer seine Anteile verkaufen möchte, sollte zunächst anhand der Kurslisten prüfen, ob der Fonds bereits gehandelt wurde. Bei Schiffsfonds reicht es aus, Schiffe gleicher Größenordnung desselben Initiators zu vergleichen. Damit hat der Verkäufer einen Anhaltspunkt, welchen Kurs er verlangen kann und ein Kaufinteressent, wie hoch sein Gebot ausfallen muss.

Grundsätzlich stehen beim Zweitmarkt zwei Handelsformen zur Wahl:

  • Der Plattformhandel, bei dem bis zu einem festgelegten Zeitpunkt Gebote von Kauf- und Verkaufsinteressenten gesammelt werden. Vorrangig bedient werden das höchste Kaufangebot und das niedrigste Verkaufsangebot. Das nennt sich Preispriorität. Sollten gleich hohe Gebote vorliegen, zählt der Zeitpunkt des Auftragseingangs (Zeitpriorität).
  • Das Direktgeschäft, bei dem eine Beteiligung zum Mindestverkaufspreis ausgesuchten Käufern direkt angeboten wird. Die Kaufinteressenten geben ihrerseits Gebote ab; das höchste Gebot erhält den Zuschlag.

Nach Abschluss des Geschäftes überweist der Käufer den fälligen Betrag zuzüglich der Maklerprovision auf ein Treuhandkonto. Danach erhält die Fondsgesellschaft beziehungsweise der Treuhänder von der Fondsbörse eine Ausfertigung des Kauf- und Übertragungsvertrages, damit die Beteiligung auf den neuen Investor umgeschrieben werden kann. Sobald diese Umschreibung erfolgt ist, beziehungsweise der Fondsbörse eine Abtretungs- oder Umschreibungsvormerkung vorliegt, wird der Kaufpreis an den Verkäufer ausgezahlt. Der Verkäufer muss damit rechnen, dass vom Zeitpunkt des Kaufvertrages bis zur Auszahlung des Kaufpreises rund vergehen können.

Kosten für Transaktionen auf dem Zweitmarkt

Käufer und Verkäufer zahlen für die Vermittlung eine Provision, die derzeit bei der umsatzmäßig größten Zweitmarktbörse – der Fondsbörse Deutschland – bei 3,25 Prozent des Kaufpreises liegt. In der Regel wird eine Mindestgebühr berechnet. Dazu kommen überschaubare Kosten für die Treuhandkontoabwicklung, die sich Käufer und Verkäufer teilen, sowie möglicherweise weitere Kosten für die Abwicklung des Kauf- und Übertragungsvertrages wie Umschreibungsgebühren, Notarkosten und Gebühren für die Handelsregistereintragung. Bei Beteiligungen, die nicht auf Euro lauten, muss darüber hinaus mit einer zusätzlichen Bearbeitungsgebühr gerechnet werden.

Zweitmarkt verbessert Situation für Aussteiger

Auch wenn der Zweitmarkt die Situation für Anleger geschlossener Fonds verbessert hat: So frei handelbar wie Aktien oder offene Fonds sind sie noch lange nicht. Vor allem, wenn eine Beteiligung sich nicht wie in den Verkaufsunterlagen prognostiziert entwickelt hat, wird sich nur schwer ein Kaufinteressent finden lassen – oder nur zu niedrigen Kursen. Allein die Marktinteressen bestimmen darüber, ob eine Nachfrage nach Anteilen an einem geschlossenen Fonds besteht oder nicht; Garantien gibt es nicht. Wer verkaufen will, muss also unter Umständen mit längeren Wartezeiten rechnen, bis sich ein Interessent findet.

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