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Wer die Wahl hat

Die Bundestagswahl steht vor der Tür und beeinflusst alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche. Vorangegangene politische Großereignisse des Jahres, insbesondere die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten und der Rückzug Großbritanniens aus der EU, versetzten stets auch die Finanzbranche in Aufruhr und warfen die Frage auf, welche Auswirkungen die politischen Veränderungen auf die Finanzmärkte haben werden. Im Hinblick auf die deutsche Bundestagswahl kann von einer solchen Anspannung jedoch keine Rede sein.

Schon früh im Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump gaben Wirtschaftsexperten ihre Prognosen ab, welche weitreichenden Auswirkungen das Ergebnis der Wahlen auf die internationale Finanzwelt haben könnte. Auch gut sieben Monate nach der Wahl bestimmt der 45. Präsident der USA nicht nur die Schlagzeilen des Ressorts Politik, sondern auch die der Wirtschaftsnachrichten maßgeblich.

Selbst die französische Präsidentschaftswahl wurde im Vorfeld auf den Finanzmärkten in Deutschland mit größerer Spannung erwartet als die heimische Bundestagswahl. Ein Wahlsieg der rechtspopulistischen Kandidatin Marine Le Pen, die mit ihrer Partei aktiv für einen Austritt aus der Europäischen Union warb, hätte enorme Konsequenzen für die gemeinsame Währung und den europäischen Wirtschaftsraum nach sich gezogen. Im Vergleich dazu liefert die Bundestagswahl wenig Anlass zur Sorge für Finanzexperten.

Das liegt in erster Linie daran, dass der Wahlausgang in Deutschland erheblich weniger Sprengkraft besitzt als etwa der Austritt Großbritanniens aus der EU oder die Wahlen in Frankreich und den USA. Die beiden Volksparteien CDU/CSU und SPD liegen in ihren Wahlprogrammen deutlich näher beieinander als etwa die Kandidaten der Stichwahl in Frankreich. Beide Parteien bekennen sich zudem eindeutig zu Europa. Zwar befindet sich auch in Deutschland mit der AFD eine rechtspopulistische Partei im Aufwind, ihr werden jedoch keinerlei Chancen für eine Regierungsbeteiligung eingeräumt.

Bereits Angela Merkels Ankündigung im Herbst vergangenen Jahres, für eine vierte Amtszeit zu kandidieren, führte zu einer deutlichen Entspannung an den deutschen und europäischen Finanzmärkten. Sie fand darin Ausdruck, dass sowohl der DAX als auch der Euro nach zuvor verlustreichen Tagen erstmals wieder einen Kursgewinn verzeichnete. Martin Schulz, Kanzlerkandidat der SPD und von 2012 bis 2017 Präsident des Europäischen Parlaments, steht ebenfalls für eine intensive Zusammenarbeit mit den europäischen Verbündeten. Finanzexperten haben deshalb nur wenig Sorge, dass die Wahl mit ähnlich gravierenden Folgen für die Branche verbunden sein könnte wie die anderen Wahlen und der Fokus liegt deshalb eher auf dem Ausland als auf dem Inland.

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