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Nachhaltigkeit wird zur Pflicht

September 2020

Ab März 2021 ändert sich Vertrieb von Kapitalanlagen

Wer kennt Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann im Erzgebirge und seinerzeit zuständig für die Forstwirtschaft? Schon im späten Mittelalter verbrauchte der Bergbau zu viel Holz. Die Ressourcen wurden knapp. Carlowitz verfügte daher im Jahr 1713, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann. Mit seinen Worten forderte er eine „continuirlich beständige und nachhaltende Nutzung“. Damit war ein Begriff geboren, der heute mehr denn unser Leben prägt. Nicht nur in der Forstwirtschaft, sondern zunehmend auch auf den Finanzmärkten. Hier wird die Nachhaltigkeit im kommenden Jahr sogar zur Pflicht.

Offenlegungsverordnung der EU fördert und fordert nachhaltige Investments

Die Vorgabe kommt aus Brüssel und trägt den sperrigen Namen „Offenlegungsverordnung“. Die EU-Vorschrift gilt ab dem 10. März 2021 und regelt, wie Anbieter von Kapitalanlagen und Berater über nachhaltige Investments und die damit verbundenen Risiken informieren müssen. So sind sie künftig dazu verpflichtet, ihre Kunden im Beratungsgespräch nach ihren Vorstellungen zu nachhaltigen Investments zu befragen und passende Produkte vorzuschlagen. Problem dabei: Hat sich die Bedeutung von ESG bei institutionellen Investoren bereits durchgesetzt – wobei das Akronym für Environmental, Social and Governance steht, also Umwelt, Soziales und vorbildliche Unternehmensführung – gibt es nur wenige Produkte für private Kapitalanleger am Markt, die die Nachhaltigkeits-Kriterien erfüllen.

Institutionelle Investoren haben die Notwendigkeit der Ressourcen-Schonung und sozialer Verantwortung bereits erkannt. Die Mehrheit betrachtet sie sogar als profitabel, denn 51 Prozent der institutionellen Immobilien-Anleger geht sogar von langfristig höheren Renditen aus, wenn sie bei Investitionsentscheidungen Nachhaltigkeits-Kriterien berücksichtigen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Warburg-HIH Invest Real Estate. Doch es geht nicht nur um den Gewinn. Elf Prozent der Befragten würden sogar eine um 0,2 Prozentpunkte geringere Rendite in Kauf nehmen, um ESG-Kriterien zu erfüllen. Rund 70 Prozent der befragten Instis halten ESG-Kriterien bei Investmentscheidungen für relevant oder wollen sie zeitnah einführen.

Unternehmen müssen auch Vergütungspolitik offenlegen

Im Geschäft mit den privaten Anlegern ist das Thema noch nicht so richtig angekommen. Bereiten sich Anbieter und Berater hier nicht auf die geänderten Regeln vor, werden sie spätestens in einem halben Jahr eine böse Überraschung erleben. Denn die Unternehmen müssen künftig Informationen über Strategien und Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen und bei der Vergütungspolitik offenlegen. Werben sie für Produkte mit nachhaltigen Eigenschaften, gelten strengere Vorgaben, um „greenwashing“ zu vermeiden, also den grünen Anstrich von Angeboten, die Nachhaltigkeits-Kriterien tatsächlich gar nicht erfüllen. Und, das ist ebenfalls neu, Anbieter, die Produkte ohne Nachhaltigkeits-Aspekte auflegen, müssen begründen, warum sie darauf verzichten.

Wie so häufig, ist noch nicht bis im Detail geklärt, wie die EU-Vorschrift letztlich umgesetzt werden soll. Ohne Zweifel ist jedenfalls, dass die Uhren ab Mitte März bei Anbietern und Vertrieben anders ticken.

Hier sehen Sie den Einblick von Markus Gotzi als Video.

Herzlich, Ihr
Markus Gotzi

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